09.10.2012

öffentliche Hotspots für den mobilen Internetzugang im Ausland: Vor- und Nachteile

überschaubare Kosten, relativ geringer Aufwand, aber öffentliche WLAN-Hotspots sind nur an bestimmten Orten nutzbar und enorm unsicher

Das Datenroaming teuer ist, hat sich inzwischen herum gesprochen. Öffentliche Wifi/WLAN-HotSpots sind eine häufig genannte Alternative, die aber leider viel mehr Nachteile hat als auf den ersten Blick vermutet.

Vorteile öffentlicher WLAN-Hotspots für den Onlinezugang

Beginnen wir mit dem Positiven: In vielen Flughäfen, Bahnhöfen, Hotels und teilweise auch Restaurants und Zügen finden Sie öffentlich zugängliche WLAN-Netzwerke. Blackberry, iPhone und fast alle anderen Mobilgeräte können Sie per WLAN mit dem Internet verbinden. Auch wenn Sie nur ein Notebook/iPad ohne Mobilfunkkarte besitzen, verhilft Ihnen ein Hotspot zum Onlinezugang. Sie suchen einfach ein Netzwerk vor Ort, fast immer ist es unverschlüsselt, so dass Sie sich direkt verbinden können.

Bei gratis nutzbaren Hotspots funktioniert das Internet manchmal bereits jetzt wie zu Hause, oft ist aber vorher noch ein weiterer Schritt erforderlich, an dem schon so mancher Computer-Laie gescheitert ist weil es ihm nie jemand vernünftig erklärt hat: Bevor man munter E-Mails senden und Smartphone-Apps online gehen lassen kann, muss man erst einmal den Internetbrowser (Safari: auf iPhone/iPad) öffnen und eine beliebige Seite laden, der Hotspot zeigt stattdessen dann eine Login-Seite. Hier müssen Sie die Nutzungsbedingungen akzeptieren (häufig ein Haftungsausschluss des Netzwerkanbieters sowie die Erklärung, das man keine illegalen Inhalte online stellen oder herunterladen wird).

Meist zum Sparpreis, Nutzung einfach

Viele Hotspots sind kostenpflichtig oder zwar im Hotelpreis inbegriffen aber nur mit einem Voucher-Code zugänglich. Sie müssen dann zusätzlich noch Ihre Kreditkartendaten, Name und Zimmernummer oder einen Benutzernamen und Voucher-Code eingeben. Sobald Sie alle Eingaben bestätigt haben, gibt Ihnen der Hotspot den Zugriff auf das Internet frei und ein paar Sekunden später können nicht nur der Webbrowser, sondern auch Ihr E-Mailprogramm und alle Smartphone-Apps wie gewohnt das Internet nutzen. In manchen Flughäfen, Hotels und Restaurants ist die Nutzung kostenfrei, in anderen zahlen Sie zwischen 5 Euro pro Tag und 10 Euro pro Stunde für den Zugang, bekommen aber meist mit 10-20 Euro pro Tag einen durchaus akzeptablen Preis (je nach Anbieter wird ggf. das Datenvolumen begrenzt, dann aber oft auf für normale Nutzung völlig ausreichende Werte wie 200 oder 500 MB). Die Abrechnung nach Zeit hat den großen Vorteil, dass Ihnen böse Kostenüberraschungen erspart bleiben wenn ein Programm mal eben im Hintergrund dutzende Megabyte große Updates herunter lädt.    

Soweit zu den Vorteilen. Sie können am Hotspot sogar mit Geräten ohne Mobilfunkdatenkarte online gehen, das ganze ist zwar etwas aufwändiger als Roaming aber auch für Techniklaien relativ schnell zu lernen und vor allem sind die Kosten überschaubar und meist recht fair.

Schlimmster Nachteil: Gravierende, gefährliche Sicherheitslücken

Die Nachteile von öffentlichen Hotspots sind leider groß: öffentliche WLAN-Netzwerke sind unsicher. Und zwar absolut unsicher. Mit wenig Aufwand und selbst ohne Fachwissen kann jeder Hobbyhacker mit einem Smartphone oder Laptop und vorgefertigter bösartiger Software einfach einen eigenen Hotspot öffnen, den er "Telekom", "Miami Airport", "MyCloud", "Free WiFi" oder "Hilton Hotel" nennt. Nach ein paar Minuten werden sich ahnungslose Anwender einloggen. Üblich ist an dieser Stelle die Seite mit den Zugangsdaten. Hier kopiert der Hobbyhacker einfach ein frei zugängliches Original des entsprechenden Anbieters, schon sieht alles echt aus und verführt Reisende zum Einloggen: Nur 2 Euro für eine Stunde Internet oder 5 Euro pro Tag und bequem per Kreditkarte zahlen. Nach wenigen Minuten hat der Bösewicht die ersten Kreditkartendaten bekommen.

Jetzt können Sie aufs Internet zugreifen und merken nicht mal, dass Sie einem Ganoven auf den Leim gegangen sind. Zuerst haben Sie ihm Ihre Kreditkartendaten verraten. Jetzt lässt er Sie über seinen UMTS-Zugang surfen und kann dabei munter alle Daten mitlesen, ohne dass Sie etwas davon merken. Vielleicht haben Sie beim Login auch gleich ein "aktualisiertes Sicherheitszertifikat" installiert. Klingt gut, oder? Das bedeutet aber leider, dass der Fiesling jetzt sogar Ihre SSL-verschlüsselten Verbindungen mitlesen kann. Und er kann Ihre Anfragen umleiten, so dass Sie zwar die korrekte Website-Adresse eintippen oder aus Ihren Lesezeichen wählen, statt der Homepage Ihrer Bank aber eine gleich aussehende Kopie vom Hacker vorgesetzt bekommen.

Sogar wenn Sie an einem "echten" öffentlichen Hotspot von einem seriösen Anbieter angemeldet sind, können Hacker die Daten mitlesen. Das fiese dabei: Sie merken nichts davon, wenn Sie kein wirklicher Profi sind. Und Sie würden den Hacker auch nicht erkennen. Er sitzt irgendwo in der Hotellobby oder steht neben Ihnen am Bahnhof und liest unschuldig aussehend ein Buch, während sein Smartphone oder Laptop im Rucksack alles heimlich und ganz automatisch erledigt.

Wirksamer Schutz an öffentlichen Hotspots kaum möglich

Diese Gefahr ist inzwischen leider real und es passiert immer häufiger. Um sich zu schützen müssen etliche komplizierte Bedingungen erfüllt sein. Die meisten Anwender merken nicht einmal, ob die vermeintlich schützende Verschlüsselung gerade aktiv oder inaktiv ist ? und wie oben beschrieben gibt es Angriffsszenarien, bei denen bestimmte Verschlüsselungsverfahren (auf die Sie sich verlassen) zwar aktiviert sind, der Hacker aber trotzdem Daten mitlesen und falsche Daten an Sie/die von Ihnen aufgerufene Website senden kann.

Natürlich könnten Sie versuchen, einfach sehr gut aufzupassen, welche Daten und Passwörter Sie eingeben wenn Sie am Hotspot surfen - und auf die Nutzung von allen Webseiten verzichten, bei denen Sie Zahlungsdaten, persönliche Daten oder wichtige Kennwörter gespeichert haben. Dann müssten Sie aber auch darauf achten, dass im Hintergrund laufende Apps auf dem iPhone/iPad oder Programme auf Ihrem Laptop nicht automatisch probieren, sich mit wichtigen Passwörtern irgendwo anzumelden. Wer kein Profi im Bereich Netzwerksicherheit ist, kann das kaum noch überschauen (falls Sie hingegen ein zweites Tablet/Smartphone oder Netbook haben, auf dem keine zusätzlichen Programme/Apps mit persönlichen Daten/Kennwörtern installiert sind, hätten Sie diesen Punkt gelöst. Dann wie gesagt sehr gut aufpassen, was Sie Eintippen, wenn Sie auf solchen Geräten wirklich nur den Wetterbericht oder Zugverbindungen recherchieren und auf Onlinebuchungen, Einkäufe sowie das Anmelden bei Seiten mit persönlichen Zugangsdaten verzichten, kann auch nichts Schlimmes passieren).

Diese Einschränkungen würden aber zumindest mir den Spaß an der Onlinenutzung verderben. Ich empfehle Ihnen daher, lieber keine öffentlichen Hotspots zu nutzen. Es gibt deutlich bessere Alternativen, siehe Fazit dieses Artikels. Wenn Sie noch etwas mehr über die Sicherheitsrisiken und die häufigsten üblichen Angriffe am Hotspot erfahren möchten, empfehle ich Ihnen den Artikel "Das Bestiarium." Angriffe auf Hotspot-Nutzer? aus der Ausgabe 01/2012 des Fachmagazins ct (die Einleitung zum fünfseitigen Artikel beschreibt perfekt das Fazit: "Wer sich an einem der allgegenwärtigen WLAN-Hotspots anmeldet, betritt potenziell feindlichen Luftraum. Hier lauern Gefahren, vor denen man sich kaum schützen kann.")

Weitere Nachteile: Ortsgebunden, erneuter Login nervig, mit Pech doch relativ teuer oder langsam

Selbst wenn Ihnen die Sicherheitsrisiken egal sind (oder Sie wirklich nur die Tageszeitung lesen und den Wetterbericht öffnen wollen, ohne Mails zu versenden und ohne andere Apps installiert zu haben), bleiben etliche Nachteile: Wenn Sie Glück haben, ist der Hotspot vor Ort kostenlos, wenn Sie aber Pech haben, kann es Sie bei einer hohen Tagespauschale 40 Euro pro Tag auch bei nur wenigen Minuten Internetnutzung kosten. Vor allem kann es passieren, dass es genau dort wo Sie gerade sind keinen Hotspot gibt, und das nicht nur beim Stadtbummel oder am Bahnhof: Auch manche Hotels und Ferienanlagen haben keine WLAN-Hotspots oder nicht alle Zimmer damit ausgerüstet. Je nach Anbieter ist die Geschwindigkeit hervorragend oder aber schneckenlahm. In einigen seltenen Fällen sogar so lahm, dass Skype-Telefonate nicht mehr funktionieren und Webseiten, die eine größere Datenmenge übertragen, minutenlang zum Laden brauchen.

Und selbst wenn Sie das Glück haben, auch außerhalb Ihres Hotelzimmers kostenlos überall dort wo Sie online gehen wollen einen Hotspot mit vernünftiger Geschwindigkeit zu finden, müssen Sie sich ständig neu einloggen wenn Sie den Hotspot wechseln - das nervt. Viele Hotelhotspots loggen Sie nach ein paar Minuten Inaktivität aus und nicht alle erkennen Sie beim nächsten Login wieder. Dann müssen Sie jedes Mal die Zugangsdaten neu eingeben. Manchmal benötigen Sie pro Tag einen neuen Voucher - das heißt wieder zur Rezeption laufen oder dort anrufen und wieder eine lange Ziffernkombination abtippen. Ganz verschieden ist je nach Anbieter auch, wie viele Geräte Sie nutzen dürfen: Oft können Sie beliebig viele Geräte gleichzeitig nutzen oder erhalten in Hotels ohne Aufpreis mehrere Zugangscodes für Smartphone, Laptop, iPad und Kindle, falls jeder Code nur für ein Gerät gilt. Es kann Ihnen aber auch passieren, dass Sie für jedes Gerät noch einmal die Tagespauschale zahlen sollen. Wenn Sie also ständig überall und auch noch mit mehreren Geräten online gehen wollen weil es inzwischen einfach zu Ihrem Leben und Ihrem Verständnis von Urlaub (bzw. Arbeiten auf Geschäftsreise dazugehört) oder wenn Sie einfach nur auf einer Tour quer durchs Land jeden Tag das Hotel wechseln, dann ist allein der nervige Hotspot-Wechsel / immer neue Login Grund genug, lieber eine andere Methode fürs mobile Internet zu wählen.

Die 3. Methode: bessere Alternative zu Hotspot/Roaming

Eine viel bessere Alternative für den Onlinzugang im Ausland sind

lokale SIM-Karten aus dem Reiseland (Teil 3 dieses Artikels) .

 

Hier gehts weiter: Nächster Teil

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