09.10.2012

Internet im Urlaub/Ausland: schnell, sicher, günstig. So vermeiden Sie Kostenfallen trotz EU-Datenroaming

Internet im Urlaub/Ausland: schnell, sicher, günstig. So vermeiden Sie Kostenfallen trotz EU-Datenroaming

Trotz der neuen EU-Datenroaming-Tarife seit dem 01.07.2012 bleibt Internet im Urlaub und auf Geschäftsreisen teuer. Außerhalb der EU (z.B. Türkei oder USA) können für ein paar Tage normaler Internet-Nutzung Ihres iPhones/iPads oder Laptops im Ausland schnell mehrere hundert Euro fällig werden. Häufig liest man in Foren den Tipp, unterwegs öffentliche WLAN-HotSpots zu nutzen. Leider ist das inzwischen ein großes Sicherheitsrisiko. Zudem kann auch der Hotel-HotSpot mit 20 Euro oder mehr pro Tag zu Buche schlagen und hilft wenig, sobald man nach draussen geht. Für das Googeln interessanter Infos beim Stadtbummel hilft er also trotz der weiteren Nachteile auch nichts. Doch es geht auch anders - dieser Artikel zeigt Ihnen die Vor- und Nachteile für 3 Methoden zum weltweiten Internetzugang verständlich erklärt und hilft Ihnen, die für Sie richtige Variante zu finden.

Praktisch im Urlaub und für Geschäftsreisen: Internet im Ausland mit Blackberry & iPhone (oder Laptop)

Blackberry, iPhone, iPad, Kindle und Notebook können den Urlaub noch einfacher und schöner machen, sofern Sie Ihre geschäftlichen Mails links liegen lassen. Mit den kleinen Helfern haben Sie schnell und bequem den Stadtplan mit Restaurantfinder und Satellitennavigation für Fußgänger zur Hand, rufenBahnfahrpläne oder den Wetterbericht auf, checken online für Ihre Flüge einund ersparen sich damit lange Wartezeiten/Schlangen, googeln beim Stadtbummel interessante Infos oder schicken schöne Fotos sofort an Ihre Freunde. Wenn Sie auch im Urlaub absolut nicht auf Tageszeitung, Kinotrailerund Facebook verzichten wollen,  können Sie das alles immerhin zum Strand mitnehmen. Für Geschäftsreisende gehört der Internetzugang ohnehin zur Grundausstattung, doch in vielen Firmen wird dieses Thema stiefmütterlich behandelt und ist immer noch nicht gelöst oder wird dem einzelnen Mitarbeiter überlassen.

Prinzipiell haben Sie drei Möglichkeiten für Internet im Ausland: Datenroaming (siehe unten), öffentliche WiFi-/WLAN-Hotspots vor Ort oder eine lokale Mobilfunkkarte aus dem Land, das Sie gerade besuchen. Im Folgenden stelle ich Ihnen die Vor- und Nachteile dieser drei Methoden und meine Kombination daraus vor, so dass Sie den optimalen Internetzugang für Ihre Urlaubs- und Geschäftsreisen finden. Im Fazit am Ende des Artikels fasse ich alles noch einmal kurz für Sie zusammen und gebe Ihnen Empfehlungen für verschiedene Anforderungen (reisen Sie drei Wochen im gleichen Land umher, oder machen Sie eine Weltreise? Wollen Sie immer und überall so viel wie zu Hause online gehen oder nur einmal pro Woche zwei E-Mails senden?). Wir beginnen mit der Standardmethode: Datenroaming.

Datenroaming: einfach, sicher, schnell, überall verfügbar - aber verdammt teuer

Fast überall auf der Welt finden Sie inzwischen hervorragend ausgebaute Mobilfunknetze für den Internetzugang. Sobald Sie Ihr Smartphone einschalten oder Ihre Datenkarte im Laptop aktivieren, sucht das Gerät die verfügbaren Mobilfunknetze. Fast immer wird es einen Netzbetreiber im Ausland finden, für den ein sogenanntes Roaming-Abkommen mit Ihrem Mobilfunkanbieter zu Hause besteht. Die übertragene Datenmenge bezahlen Sie später ganz bequem über Ihre normale Handyrechnung.

Die Vorteile: Wenige Sekunden nach dem Einschalten können Sie sofort telefonieren und auch wie gewohnt das Internet nutzen - einfacher und schneller geht`s nicht. Egal ob im Hotel, am Strand oder im fahrenden Zug/Taxi, Internet per Mobilfunknetz ist an fast allen Orten verfügbar und insgesamt sehr sicher.

Astronomische Kosten beim weltweiten Datenroaming: mehrere hundert Euro ganz normal   

Der einzige, leider gravierende Nachteil des Datenroamings: Die Kosten. Ein Megabyte Daten zu übertragen kann je nach Land und Tarif über 30 Euro kosten und dauert nur wenige Sekunden. Ein Megabyte Daten haben Sie z.B. bereits dann heruntergeladen, wenn Sie auf dem iPad die Startseite der deutschen Bahn öffnen (www.bahn.de). Wann immer ich in meinen Vorträgen und Seminaren davor warne und Tipps zum bezahlbaren Surfen im Ausland gebe, melden sich als Warnung/Beispiel für die Kollegen mehrere Teilnehmer, die für ein Wochenende Internet im Ausland schonmal mehrere hundert oder sogar über tausend Euro bezahlen mussten - es geht ja alles so einfach und bequem, der Schock kommt dann ein paar Wochen später mit der Handyrechnung.

Leider sind das absolut keine Ausnahmefälle: In den letzten Jahren haben immer mehr Mobilgeräte ganz natürlich Einzug in unseren Alltag gehalten und immer mehr Anwender wollen die Geräte möglichst nur noch auspacken und benutzen, ohne sich über die Grundlagen der Bedienung oder Gefahren/Kosten zu informieren. Zusammen mit immer schnelleren mobilen Internetzugängen führt das immer wieder zu völlig bizarr anmutenden Rechnungsbeträgen, hier nur ein paar Beispiele wie schlimm es werden kann: 1.800 Euro an einem Abend für ein paar Stunden Internetrecherche und ein paar E-Mails auf einer Geschäftsreise nach Krakau,  9.000 Euro für den  Internetzugang während des Türkeiurlaubs und 46.000 Euro (!!!) für die von zu Hause gewohnte Internetnutzung im Frankreichurlaub (Quelle: Wochenzeitung "Die Zeit"). Der Chefredakteur der Bildzeitung nahm es noch mit Humor, dass er für ein paar Videobeiträge für ein Blog (mobil verschickt aus Marokko) ebenfalls über 40.000 Euro zahlen sollte.  Andere Betroffene klagten vor Gericht gegen die Rechnung - erfolglos, der Betrag war völlig korrekt abgerechnet und musste voll bezahlt werden.

Regulierte EU-Tarife seit 01.07.2012: für Nutzung wie sonst zu Hause leider noch immer viel zu teuer

Immerhin schritt die EU Kommission ein: Seit dem 01. Juli 2012 wird per Verordnung des Europäischen Parlaments für Kunden mit Mobilfunkvertrag aus einem EU-Mitgliedstaat die maximale Roaming-Gebühr für 1 MB Datenübertragung in einem anderen EU-Mitgliedstaat auf 83 Cent (70 Cent zuzüglich Mehrwertsteuer) festgelegt. Das klingt zwar gut, doch in der Praxis und für ein paar Beispiele im Klartext formuliert bedeutet das: Wenn Sie am Flughafen ein paar Minuten lang mit Ihrem Laptop online gehen um nur eine kleine Text-Email zu schreiben oder eine Zugverbindung rauszusuchen und dabei das Betriebssystem oder iTunes im Hintergrund automatisch ein 150 MB großes Update laden, kostet das noch immer über 120 Euro. Wenn Sie Ihre Musik und Bilder per iCloud synchronisieren, erreichen Sie auch mit iPad und iPhone schnell ebenfalls solche Dimensionen. Bei Urlaub außerhalb der EU, z.B. in der Türkei, den USA, Australien oder Südafrika sind diese Grenzen wieder völlig aufgehoben. Eine einzige App mit 6 MB auf dem Smartphone upzudaten geht mit einem Klick und kann dann je nach Land und Tarif wieder bis zu 180 Euro kosten. Auch die Schweiz, Kroatien und Norwegen gehören nicht zur EU. 

Kostenbremse bei 60 Euro in manchen Fällen wirkungslos (je nach Land, Provider und Tarif deaktiviert)

Die EU-Verordnung sieht außerdem eine Kostengrenze bei 50 Euro (inklusive Mehrwertsteuer knapp 60 Euro) vor. Sobald Sie diesen Betrag fürs Datenroaming überschreiten, wird es bis zum Ende des Rechnungsmonats unterbrochen. So zahlen Sie zwar höchstens 60 Euro, haben aber eventuell schon nach ein paar Minuten Roaming durch im Hintergrund laufende Programme oder die automatische Synchronisation mit der iCloud diesen Wert erreicht und damit kein Internet im Ausland mehr. Die Begrenzung können Sie über die Servicehotline Ihres Mobilfunkanbieters aufheben lassen, um trotzdem weiter online zu gehen. Leider gibt es in der Praxis noch weitere Fällen, in denen Sie nicht geschützt sind:  Erstens sollte diese Kostensperre für Kunden aus der EU eigentlich weltweit gelten, aber dank diverser Ausnahmeregelungen sind die Provider doch nicht daran gebunden. Zweitens dürfen die Provider die Sperre jederzeit abschalten, wenn Sie als Kunde das wünschen. Dieser "Wunsch" kann aber auch Bestandteil einer "Sparoption" für günstigere Auslandstelefonate (oder Internetdaten) sein: Bei den vielen Mobilfunktarifen und -Optionen sind hier die Möglichkeiten schier unüberschaubar. Ein Tarif der sich für einstündige Telefonate oder für Anrufe bei lediglich drei voreingestellten Nummern oder aus einem vorausgewählten Land wirklich lohnt, kann zu viel höheren Preisen für kurze Telefonate oder Anrufe aus anderen Ländern und eben zum Deaktivieren der Kostensperre führen. Lesen Sie daher sehr gut das Kleingedruckte in Ihrem Mobilfunkvertrag und zu den Auslandsoptionen, wenn Sie das Datenroaming nutzen wollen und verlassen Sie sich nicht auf die 60-Euro-Sperre.

Übrigens: Wenn Sie einen Schweizer Mobilfunkvertrag haben oder zurzeit für ein paar Monate im Ausland leben/arbeiten und einen Mobilfunkvertrag von außerhalb der EU nutzen, gelten diese Kostengrenzen für Sie weder in Deutschland noch in der EU, es wird also schnell noch teurer.

Alternativen zum Datenroaming

Alternativen zum Datenroaming sind öffentliche Hotspots (Teil 2 dieses Artikels)und lokale SIM-Karten aus dem Reiseland (Teil 3 dieses Artikels).

Hier gehts weiter: Nächster Teil

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